Zahnärztlicher Einsatz 11/2004 - Dr. Bärbel Drumm:
Montag:
Start in Frankfurt um 02.00. Einchecken lief problemlos, "gefährlich" aussehende medizinische Instrumente etc. wurden von Cpt. Doyen persönlich mit an Bord genommen.
Ankunft Ortszeit ca. 11.00, 2 Crewbusse (s.Gepäck!) brachten uns gemeinsam ins Serena Hotel. Dort übernahm direkt Henry und transportierte meine Helferin und mich ins SOS Medical Centre zum Einrichten unseres künftigen Behandlungszimmers und zur Übergabe unserer mitgebrachten Materialien an Mike, dem medizinisch technischen Assistenten.
Danach transportierte uns Henry in unser Hotel "Kentmere Club" - sehr schöne Zimmer, wunderschöne Gartrenanlage, aber ohne Stau vom Medical Centre aus 45 min zu fahren (durch nicht wirklich vertrauenerweckendes Gelände...). Nach kurzer Pause fuhr uns Henry um 18.30 wieder in die Stadt, wo wir trotz einer Reifenpanne wohlbehalten ankamen. Abendessen zusammen mit der Crew und Mike im Safari Club Hotel, wo wir einen sehr netten Abend verbrachten. Danach wieder per Henry zurück ins Hotel.
Dienstag:
Agnes und ich wollten um 08.00 schon im Medical Centre sein, drum sollte Henry uns schon um 07.15 abholen. Problem: um diese Uhrzeit böse Staus in die Richtung unseres Hotels und Henry kam erst 07.50 an. Entsprechend war der Arbeitsbeginn erst ca. 08.45.
An diesem Behandlungstag war auch gleichzeitig Sprechstunde des SOS-eigenen Arztes im Nebenzimmer, entsprechend behandelten wir sehr viele Patienten, die schon in der Kartei des Medical Centres erfaßt waren und die auch sicher als HIV positiv gecheckt waren. Auffällig war die Tatsache, daß an diesem ersten Tag vornehmlich Frauen und Mädchen auftauchten (Vermutlich wollten die Männer erst mal schauen, was wir Frauen da so anstellen...). Jedenfalls haben wir (bis auf 10 min Kaffee-Pause) durchgearbeitet bis um 16.30; in Summe waren es an diesem Tag 25 Patienten, denen wir in Summe ähnlich viele Zähne entfernt haben.
Probleme dieses Behandlungstages: Plastikdeckel der kleinen Vakuum-Pumpe zum Speichel-bzw. Blut-Ziehen war gebrochen, entsprechend mußte ich vorwiegend "blind" arbeiten (Agnes kam mit den Tupfern halt nur bedingt hinterher, entsprechend Arbeitsfeld schwer zu erkennen). Zudem haben wir nach kurzem Versuch mit der Lampe vor Ort das Arbeiten mit meiner mitgebrachten Taschenlampe vorgezogen, da die andere Lampe sich selten auf das aktuelle Arbeitsfeld einrichten ließ. Ansonsten spielte sich das Arbeiten recht schnell ein und Pamela hat uns entsprechend häufig mit dem Reinigen und neu Sterilisieren geholfen. (Dank Dr. Ziegler hatte ich eine ganz ordentliche A nzahl von Hebeln und Zangen zum Extrahieren dabei, aber nachdem wir ständig nur ziehen konnten, haben uns eben recht schnell wieder die "Waffen" gefehlt). Um 16.00 hat Pamela dann "angeordnet", daß es für den ersten Tag genug sei, denn sie mußte noch alles Reinigen und sterilisieren und entsprechend lang ist eben auch ihr Arbeitstag.
Danach sind wir wieder von Henry in unser Hotel gefahren worden, wo wir an diesem Abend dann vor Ort zusammen mit der Crew zu Abend gegessen haben.
Mittwoch:
Nach einer kurzen Nacht sind wir schon um etwa 05.00 morgens in Richtung Serena Hotel aufgebrochen, wo wir zusammen mit FO Birgels und seiner Frau die Chance hatten, eine 2-std. Safari durch den Kenya National Park zu machen. Das war natürlich eine faszinierende Fahrt für uns und so hatten wir trotz der kurzen Zeit doch die Chance, die Landschaft ein wenig zu sehen.
Um 09.00 hat uns Henry dann wieder zum Medical Centre gebracht, wo an diesem Morgen dank Cpt.Doyen ein Bus voll Kinder und Betreuerinnen des Mother Merci Homes zur Behandlung hertransportiert wurde. Dank des Einsatzes von Fokko und Olaf konnte auch der gebrochene Deckel der Vakuumpumpe vom Vortag mittels Sekundenkleber wiederhergestellt werden und diesmal war das Arbeiten dadurch schon etwas übersichtlicher. Nachdem so gegen Mittag die Kinder "durch" waren gingen wir nachmittags wieder zur Behandlung des üblichen Klientels des SOS-Centres über. Wir arbeiteten bis 17.30 und entfernten bei 30 Patienten insgesamt 50 Zähne.
Über Tag hatten derweil FO Birgels und seine Frau Astrid einen Besuch in der deutschen Botschaft gewagt, um mit dem dortigen Militärattaché zu reden und ihm eventuell medizinische Ausrüstung von der Bundeswehr aus dem Kreuz zu leiern.
An diesem musste die Crew nach Johannesburg fliegen, wir sind deswegen nach der Arbeit direkt ins Serena Hotel gefahren, wo wir bei einem anderen Flugkapitän duschen konnten und haben dann dort zu Abend gegessen. Auf diese Weise blieb uns die zweifache Tour zu unserem Hotel erspart, und Henry mußte uns nur danach hinbringen.
Donnerstag:
Agnes und ich haben dann direkt morgens ausgecheckt, Henry hat uns diesmal um 07.15 abgeholt, uns erst im SOS rausgelassen, dann unsere Koffer ins Serena geliefert und direkt im Anschluß Astrid zu uns gebracht. Weil die Piloten ja schlafen mußten, hatte sie keine anderen Pläne für diesen Tag und hat sich erboten, uns bei der Arbeit zu helfen. Sie hat dann die Taschenlampe gehalten - was Agnes sehr entlastet hat, dadurch hatte Agnes die Hände eben besser für Sauger oder Tupfer etc. frei. Astrid hat uns auch saubere Instrumente angereicht, was das extrem häufige Handschuh-Wechseln unsererseits sehr entspannt hat.
An diesem letzten Behandlungstag haben sich interessanterweise fast nur Männer vorgestellt, was unsere Theorie zu den vielen Frauen am ersten Tag noch untermauert hat... Die haben vermutlich geguckt, ob die Damen noch leben und sich eben erst dann hergetraut!
Ein schwereres Problem hat sich dann gegen Mittag ergeben, als für mehr als 2 Stunden der Strom ausfiel und wir dann am Ende meiner sauberen Instrumente eine halbe Stunde arbeitslos waren. Draußen stapelten sich die Leute und drinnen konnten wir nicht sterilisieren. Ganz schlecht. Mike hat dann kurzentschlossen den kompletten Steri unter den Arm genommen und ist damit rüber ins SOS-Kinderdorf, die haben im Gegensatz zum Medical Centre einen Generator. Diese Geschichte hat Fokko dazu bewogen, seine Kontakte zu pflegen und wenn ich richtig informiert bin, hat er wohl sowohl einen Generator als auch einen Elektriker, der das Ding anschließen will, gefunden. Das wäre sicherlich eine sehr große Hilfe, denn laut Mike und Pamela fällt der Strom sehr oft aus.
Mit Astrids unermüdlicher Hilfe und Agnes robustem Einsatz haben wir dann an diesem Tag bis 17.30 gearbeitet, um alle, die da saßen, noch fertigzubehandeln. Es ist geglückt und wir hatten an am Ende 32 Patienten mit 37 entfernten Zähnen.
Auf dem Weg ins Serena Hotel, wo wir mittlerweile die 3. verschiedene Dusche in 4 Tagen ausprobiert haben, hat Henry uns noch an einem Holzwaren-Stand rausgelassen und uns geholfen, einige schöne Souvenirs zu erstehen. Das Hotel Serena haben wir dann gegen 23.00 verlassen und unser Flug ging etwa Mitternacht in Richtung Frankfurt.
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