Regale bauen und Drachen basteln – ein Wochenende mit Kindern des MMH
Von Sieglinde und Hans-Jürgen Reinhard
Schon im Sommercamp hat sich gezeigt, dass die kleinen Kinder im MMH begeistert beim Basteln dabei sind und dass einige der großen Kinder sehr schnell gelernt haben, geschickt mit dem Akku-Schrauber umzugehen. Im August haben die Neu-Handwerker eine Torwand gebaut, die, wie Ball-Abdrücke und andere Gebrauchsspuren zeigen, offenbar gerne zum Training genutzt wurde. Nachdem wir bereits seit längerem vorhatten, mit unseren Freunden Marlies und Maximilian Wiedenau eine Woche zusammen in den Herbstferien in Nairobi zu verbringen, lag es nahe, die Erfahrungen aus dem Sommercamp aufzugreifen und fortzusetzen. Schnell war der Termin gefunden: am Wochenende 16./17. Oktober sollte gebastelt und gebaut werden. Sehr gefreut haben wir uns darüber, dass auch Karolina Hätty zu dieser Zeit mit ihren beiden Kindern im MMH sein wollte.

Für die „little fingers“ – das sind die 14 im April neu hinzugekommenen Kinder – hatte Annette Olker die Idee, passend zur Jahreszeit kleine Drachen an Stöcken oder als Wandschmuck zu bauen. Sie hatte, wie schon für das Sommercamp, alles mit Charles und den Müttern vorbesprochen, ein Muster gebaut, Material besorgt und für uns Betreuer eine Anleitung geschrieben. Liebe Annette, die Vorbereitung war perfekt und eine große Hilfe für uns, vielen Dank!

Mit den großen Jungen (und eingen Mädchen) wollten wir dieses Mal etwas bauen, das lange Zeit gute Dienste tun sollte - einen Gebrauchgsgegenstand, über dessen eigene Fertigung man sich richtig lange freuen kann. Corinna Röhricht und Annette Olker planen, eine Bibliothek für die Kinder einzurichten. Da kam die Idee, selber Bücher-Regale zu bauen, gerade recht. Stabile Regale lassen sich mit relativ wenig Material und in kurzer Zeit bauen. Damit waren die Voraussetzungen für ein gutes Anschluss-Bauprojekt ideal erfüllt.
Einen Bauplan mit Stückliste hatten wir schon in Deutschland erstellt und an Charles geschickt mit der Bitte, eine Einkaufsstelle für das Holz ausfindig zu machen. Mit 200 Schrauben im Gepäck kamen wir in Nairobi an. Gleich am nächsten Tag hat uns Charles zu einer kleinen Sägerei ganz in der Nähe des MMH geführt. Die Angestellten haben sich sofort Zeit für uns genommen und in einer gewagten Kletteraktion (barfuß!) passende Bretter aus den oberen Etagen des Lagers herausgesucht. Die Bretter wurden sofort auf einer Maschine glattgehobelt und es wurde eine abgeschrägte Kante geschnitten. Lt. Auftrag hätten die Bretter noch auf eine gemeinsame gleiche Länge rechtwinklig geschnitten werden sollen. Später sollten wir merken, dass entweder der Auftrag nicht verstanden wurde oder zufällig für genau diese Arbeit keine passenden Maschinen da waren. Oder unsere Vorstellung von „gleich lang“ und „gerade geschnitten“ waren zu sehr an unseren europäischen Baumarkt-Erfahrungen ausgerichtet. In jedem Fall hat der Schulbus des MMH auf seiner nächsten Abhol-Tour von den Schulen zurück zum MMH zusätzlich zu den Kindern auch Bretter für vier Regale von einem Meter Breite und zwei Meter Höhe transportiert.
Im Nakkumat-Supermarkt wurden viele Lagen Schleifpapier, eine Handsäge, Beize, Handschuhe und diverses andere Kleinmaterial gekauft, dazu noch Mal- und Bastelmaterial für die Kleinen sowie Süßigkeiten und Luftballons für alle.
Freitag Nachmittag: Wir haben die Kinder mit dem Schulbus abgeholt und es gab ein großes Hallo beim Wiedersehen! Es wurde nach allen Betreuuern des Sommercamps gefragt und es wurde deutlich, wie sehr sich die Kinder auf die gemeinsamen Aktionen freuen.
Dann war der Samstag da. Hans-Jürgen Reinhard, Maximilian Wiedenau, Gerhard Meyke (der im Zusammenhang mit der Erweiterung des Medial Centres vor Ort war und sich gerne angeschlossen hat) sowie die großen Kinder haben sich mit Eifer daran gemacht, die immer noch rauhen und ungeraden Bretter mit Schleifpapier und Säge zu bearbeiten. Mit allen anderen Kindern wurde zunächst die Geschichte „vom Drachen, der zu den Indianern wollte“ gelesen. Dann wurde in zwei Gruppen gefaltet, geschnitten und geklebt: die „little fingers“ zusammen mit Sieglinde Reinhard, Karolina Hätty und Mother Mary, sowie die etwas größeren Kindern unter Anleitung von Marlies Wiedenau. Alle waren mit Konzentration und Begeisterung dabei, so dass es eine große Freude gleichermaßen für Kinder und Betreuer war.

hinten: Hans-Jürgen, Maximilian, Francis, Daniel W., John M, Daniel N.
vorne: Peter, Erick, John N., James, David, Stephen
Am Samstag wurden zwei Regale fertiggestellt. Schnell war klar, dass es am Sonntag weitergehen sollte, keiner wollte die halb fertigen Arbeiten liegen lassen. Als wir um 10:30 Uhr im MMH ankamen, waren Charles und die Jungen bereits beim Sägen und Schleifen. Gut, dass wir noch am Samstag abend Nachschub an Schleifpapier (dieses Mal stabileres Nass-Schleifpapier) und einigen wenigen Schrauben (die in Nairobi unerwartet teuer waren) besorgt hatten. Alle waren noch in Übung vom Vortag und die restlichen zwei Regale konnten zügig fertiggestellt werden. Der bereits zum Sommercamp von uns gespendete Akku-Schrauber hat bei der Arbeit sehr gute Dienste geleistet. Die Jungen haben gelernt, mit Winkel, Zollstock, Säge, Schleifpapier und Akkuschrauber umzugehen. Es hat uns viel Freude gemacht, zu sehen, mit welcher Begeisterung und mit welcher Geschicklichkeit die Kinder bei den Arbeiten dabei waren. Wir sind sicher, dass wir ähnliche Aktionen fortsetzen werden.
