Cargo Human Care

Deutsche Logistik-Zeitung DVZ:

Von Fokko Doyen

Zugegeben, auch ich fand die Idee von Bischof Timothy Ranji von der Diözese Mount Kenya South nahe Nairobi etwas abwegig, als er mir zum ersten Mal davon erzählte: Auf den Kilimandscharo steigen und dafür Sponsorengelder bekommen (DVZ 15.5.2008, Seite 24)? Die Bergtour war ein fantastisches Erlebnis.

Sonntag, 1. September, 9.15 Uhr: Zur Messe in der St. Pauls Church in Kiambu bringt Bischof Timothy Ranji die sieben Teilnehmer der Kilimandscharo-Besteigung erstmals zusammen. Außer den fünf Kenianern Maryann, Peter, Eric, Mbure und dem Bischof sind Pete aus Wisconsin (USA) und ich dabei. Eins ist sicher, als uns die Kirchengemeinde zu der siebenstündigen Fahrt nach Tansania verabschiedet: Ganz Kiambu wird eine Woche lang für uns beten. Der erste herrliche Blick auf den wolkenfreien Kilimandscharo bietet sich dann in Moshi, wo uns der Besitzer unseres Reiseveranstalters freundlich empfängt.

Montag, 2. September, 11 Uhr: Abfahrt zum Eingang des Nationalparks in 1800 m Höhe. Hier werden unsere Gepäckstücke auf die Träger verteilt, die wahren Helden am Kilimandscharo. 20 kg pro Mann, verstaut in einem einfachen Plastiksack, werden wortlos geschultert und im Dauerlauf hinauf auf die Mandara-Hütte in 2700 m Höhe gebracht. Zongoro, der Chefreiseleiter, gibt uns vor dem Abmarsch ein kurzes Briefing. Die allerwichtigste Regel für die nächsten Tage lautet „polepole“. Das heißt „langsam“ auf Swahili. Zongoro sieht sich jeden Rucksack genau an, prüft penibel das Gewicht und schaut dann jedem aus allernächster Nähe tief in die Augen. Diesen Blick werden wir in den nächsten Tagen noch oft erleben.
12.45 Uhr, Abmarsch. Das Wetter ist fantastisch. Auf der ersten Etappe geht es entlang der sogenannten„Coca-Cola Route“ durch Regenwald. Kurz vor 18 Uhr erreichen wir unser erstes Etappenziel, die Mandara-Hütte. Tee, Kekse und Popcorn hat die Trägermannschaft bei unserer Ankunft schon vorbereitet. Wir betrachten die untergehende Sonne und die langsam eraufziehenden Nebelschwaden, die sich schleichend durch das Tal winden. Nach alter afrikanischer Tradition werden Geschichten erzählt – herrliche Geschichten!

Für unsere siebenköpfi ge Gruppe hat der Reiseveranstalter ein Team von 17 Tansaniern zusammengestellt: 13 Träger, drei Führer und ein Koch. Ich staune über die logistische Meisterleistung. Man kann sicher sein, dass alles, was wir brauchen, im Gepäck verstaut ist. Nichts ist auf die Hütten ausgelagert, jede Tasse wird den ganzen Weg hinauf- und wieder hinuntergeschleppt. 20 Uhr, Nachtruhe. Es ist schon lange dunkel. Wir befi nden uns auf 2700 m Höhe. Dafür schlafen wir erstaunlich gut, alle sieben in einem Raum. In dieser ersten Nacht bringe ich es auf über zehn Stunden Schlaf. Das soll bald anders werden . . .

Dienstag, 3. September, 7 Uhr: Bevor wir aufbrechen, schaut Zongoro jedem Einzelnen nochmals tief in die Augen und stellt mit deutlichem Hinweis auf die Regel Nummer zwei am Kilimandscharo sicher, dass jeder seine 3 l Wasser dabei hat: „Viel trinken“ – auch wenn der Körper nicht danach ruft. Mit zunehmender Höhe fällt das immer schwerer, wie wir feststellen werden. Nach gut einer halben Stunde verlassen wir den Regenwald, und es geht durch herrliche Heidelandschaften bei strahlend blauem Himmel immer weiter hinauf. Kurze Zeit später überholen uns im Dauerlauf die schwer beladenen Helden des Berges. Nach drei Stunden Marsch endlich Mittagspause. Drei weitere Stunden und wir erreichen unser Tagesziel, Horombo Huts. Auf 12 km haben wir heute rund 1000 Höhenmeter gutgemacht. Die Luft wird immer dünner, leichte Kopfschmerzen verspürt jetzt jeder von uns. Hier auf 3700 m verbringen wir zum Akklimatisieren zwei Nächte. Sobald die onne sich farbenprächtig hinter dem Horizont verzogen hat, wird es bitterkalt. Die erste Nacht im Camp ist zwar erholsam, aber ich schaffe in dieser Höhe nur noch 50 Prozent meines üblichen Schlafpensums.

Mittwoch, 4. September: Am heutigen Ruhetag machen wir einen kleinen Aufstieg zu den Zebra Rocks. Wir werden bei fast wolkenlosem Himmel mit einem fantastischen Blick auf den Gipfel

Donnerstag, 5. September. Vor uns liegen „nur“ 9 km – verbunden mit wieder einmal 1000 Höhenmetern. Die Vegetation wird zunehmend dürftiger, bis sie schließlich einer Wüste gleicht, als wir den sogenannten „Saddle“ zwischen den beiden Gipfeln Kilimandscharo und Mawenzi KilimandscharoPeak erreichen. Der Pfad geht unbarmherzig bergauf, das Teilnehmerfeld zieht sich immer weiter auseinander. Jeder hat seine persönliche Geschwindigkeit gefunden. Kopfschmerzen und Kribbeln in den Fingen sind stetige Begleiter.
Am frühen Nachmittag erreichen wir die Kibo-Hütte auf 4700 m. ZongaroZongaro gibt uns ein intensives Briefing für den Aufstieg in der folgenden Nacht: Warm anziehen, Mütze, andschuhe, Stirnlampe, frische Batterien für die Kamera, Wasser, heißen Tee und „polepole“! Von jetzt an noch viel wichtiger als bisher.
Um 23 Uhr müssen die Führer keinen von uns wecken, an 4750 m gewöhnt sich der Körper nicht so schnell. Mit Stirnlampen machen wir uns auf den Weg durch die sternenklare Nacht. Bei Sonnenaufgang wollen wir oben am Kraterrand sein. Es geht von Anfang an steil bergauf. Der kaum auszumachende Pfad windet sich in Serpentinen durch ein staubiges Geröllfeld. Es ist sehr kalt, und die Temperatur sinkt mit zunehmender Höhe weiter ab. Viel schlimmer ist aber der immer heftiger werdende Wind, der den feinen Staub des Geröllfeldes aufwirbelt. Fünf bis sechs Stunden sind für den Aufstieg zum Gilmans Point vorgesehen – auch wenn es nur knapp 1000 Höhenmeter sind und die Strecke nur 6 km misst. Der Hang, der vor uns liegt, hat 40 Prozent Neigung. Die Luft hier oben ist dünn und beinhaltet nur noch knapp 50 Prozent Sauerstoff gegenüber Meereshöhe. Mit jedem Meter, den wir dem Kraterrand näher kommen, werden unsere Schritte kleiner und schwerer.
Wir erreichen den Gilmans Point genau in dem Moment, als die Sonne über den Horizont blinzelt. Ein unvergessliches Erlebnis. Offi ziell gilt der Kilimandscharo als bestiegen, wenn dieser 5685 m hohe Punkt erreicht wird. Kopfschmerzen, Übelkeit, alle Knochen tun weh und in den Augen unendlich viel feiner Staub. Dazu die Kälte und der gemeine Wind. „Vielleicht doch noch die eine Stunde bis zum Uhuru dranhängen?“ Es ist Mbure, der sich als erster in die Richtung des höchsten Punkts Afrikas in Bewegung setzt. Immer am Kraterrand entlang, vermummt mit allem, was wir an Mützen und Schals dabeihaben. Schnee und vor allem Eis gibt’s reichlich. Maximal eine halbe Schuhlänge geht es pro Schritt voran – auch bei Schuhgröße 48 ist das nicht gerade viel. Nach knapp einer Stunde, die sich wie drei Stunden anfühlt, kommt das von Fotos bekannte Gipfelschild in 5895 m Höhe in Sicht.
Für mich persönlich war diese Besteigung nicht nur ein fantastisches Erlebnis mit einer großartigen Gruppe, sondern auch mein persönliches Limit. Mehr geht nicht – das weiß ich jetzt. Mehr muss aber auch nicht gehen, 5895 m reichen!

Quelle: DVZ 20.11.2008 (kk)
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Bericht von Fokko Doyen

Dankesgebete, Jubel und Tanz – die Spende von BCL CargoLogistik ist angekommen. LEO-Mensch des Jahres 2007 Fokko Doyen war dabei, als die neue Waschmaschine das Kinderheim Mother’s Mercy Home in Nairobi erreichte. Hier sein Bericht.

MMH

Der Waschtag im Mothers' Mercy Home in Nairobi wird von jetzt an komfortabler. Möglich macht’s der neue Waschautomat.

Die Firma ASL hat die Maschine am vergangenen Freitag an das Mother’s Mercy Home (MMS) ausgeliefert, und ich durfte sie zusammen mit den Damen des Mother Comitees in Empfang nehmen. Die Freude der Damen war riesengroß . Nach dem Abladen der Maschine wurde gesungen und getanzt – herrlich, ein Lied der Kikuyus. Anschließ end ein langes Gebet. Dem Herrgott wurde dafür gedankt, dass er das Gebet der Damen vom Mother’s Mercy Home endlich erhört hatte und diese Maschine “schickt”.

Hintergrund: Die Spenderin

Die Anschaffung der Waschmaschine wurde erst möglich durch eine großzügige 6000-EUR-Spende von Sybille Märkl, Inhaberin von BCL CargoLogistik in Frankfurt/Main. Spendenwillige für den Wartungsvertrag (120 EUR/Quartal) wenden sich bitte an den Hilfsverein Cargo Human Care. www.cargohumancare.de

Eine wirklich tolle ausgelassene Stimmung, die mir sehr, sehr viel Freude gemacht hat. Der Transport quer über das Grundstück des MMH gestaltete sich wegen des heftigen Gewichtes als recht schwierig, obwohl wirklich genügend helfende Männerhände in Windeseile zusammengerufen waren. Leider hatten die Arbeiter von ASL weder Trageriemen noch Trolleys dabei. Mit ein paar alten Seilen haben wir dann improvisiert – Afrika pur! Die Maschine konnte aber leider noch nicht angeschlossen und installiert werden, da der bestellte dreiphasige Starkstrom-Anschluss noch ein paar Tage auf sich warten lässt. Sobald der Anschluss liegt, werden Monteure von ASL die Maschine positionieren und im Boden verankern. Und: Für die Waschmaschine wird extra ein neuer abschließbarer Raum gebaut. Wir alle wissen, dass das eine gute Idee ist. Alle drei Monate kommt ein Techniker und überprüft den Zustand der Maschine, zum Beispiel die Spannung und den Zustand des Antriebsriemens. Die Kosten belaufen sich aufumgerechnet 120 EUR einschließ lich Umsatzsteuer. Das ist auf jeden Fall sinnvoll, um den qualitativ hohen Standard der Maschine auch lange zu erhalten. Garantie besteht leider nur für ein Jahr. Wir werden nach einer Lösung suchen, und ich denke, dass Cargo Human Care (CHC) die Kosten für die Wartung zumindest zur Hälfte übernimmt. Der Vorstand von CHC wird darüber auf seiner nächsten Sitzung entscheiden. DVZ 1.4.2008 (gm)

Hier der Bericht als PDF

Cargo Human Care
Flugkapitän Fokko Doyen (links) vom Hilfsverein Cargo Human Care bedankt sich bei Sibylle Märkl und Manfred Buck für die großzügige Einzelspende. Anschaffung und Inbetriebnahme einer Waschmaschine im kenianischen Kinderheim Mothers’ Mercy Home wird Doyen in seiner flugfreien Zeit persönlich betreuen.

Chefin von BCL CargoLogistik spendet 6000 EUR für Mothers’ Mercy Home

Leichte Zweifel hatte die DVZ schon, als sie vor Weihnachten im Rahmen der Aktion „Spenden statt Geschenke“ dazu aufrief, für die Anschaffung einer Waschmaschine in einem kenianischen Kinderheim zu spenden. War das anvisierte Spendenziel von 6000 EUR nicht zu hoch gesetzt? Würde der Betrag zusammenkommen? Schließlich gibt es unzählige andere Projekte, die Spenden bitter nötig haben.

Um so erfreuter waren Lufthansa- Kapitän Fokko Doyen vom Hilfsverein Cargo Human Care und die DVZ, als der Chefbuchhalter anrief und verkündete: „Wir haben einen Eingang von 6000 EUR von einer Firma BCL Cargo Logistik in Frankfurt/Main.“ BCL-Geschäftsführerin und Inhaberin Sibylle Märkl und ihr Vater Manfred Buck hatten sich Ende vergangenen Jahres spontan entschieden: Keine materiellen Aufmerksamkeiten für ihren größten Kunden Lufthansa Cargo und keine Spenden in diesem Jahr an lokale Vereine, sondern stattdessen beachtliche 6000 EUR für den Hilfsverein Cargo Human Care, in dem sich Fokko Doyen engagiert.

Doyen, den die DVZ-Leser im vergangenen Jahr im Rahmen der LEOAwards zum „Mensch des Jahres“ wählten, bedankte sich noch vor Weihnachten persönlich bei Märkl und Buck. Im Gebäude von LH-Cargo in der Cargo-City Nord am Frankfurter Flughafen erklärte Doyen den Spendern, wie es nun weitergeht im Mothers’ Mercy Home und dass nun der Weg dafür frei ist, von der mühsamen Handwäsche auf eine komfortable Industriewaschmaschine zu wechseln. Die Betriebswirtin Sibylle Märkl wollte in ihrer bescheidenen Art eigentlich gar nicht so viel Aufhebens um die Spende verbreiten, aber die Tatsache, dass hier eine noch junge und recht kleine Firma einen namhaften Betrag zusammenbekommen hat, darf man einfach nicht verschweigen. Das Luftfrachthandling-Unternehmen BCL CargoLogistik palettiert die Luftfracht für LH Cargo und stellt sie vor dem Vorfeld zur Verladung bereit.

hier der Bericht als PDF

DVZ, Nr. 146 vom 06.12.2007

LH-Cargo-Kalender zu Gunsten des Mothers' Mercy Home / "Spenden statt Geschenke" läuft weiter

Den Ärmsten der Armen ohne Umwege medizinisch zu helfen, das ist das Ziel von Cargo Human Care e.V. Das humanitäre Hilfsprojekt, gegründet von Mitarbeitern der Lufthansa Cargo in Zusammenarbeit mit Ärzten aus ganz Deutschland, versorgt seit 2004 das Medical Centre des SOS-Kinderdorfs sowie das Waisenheim Mothers' Mercy Home in Nairobi, Kenia, mit ärztlicher Hilfe und medizinischer Ausstattung. Aus der Idee heraus, Einblicke in dieses Projekt mit Momentaufnahmen der Frachtfliegerei zu kombinieren, ist der Cargo Human Care Kalender 2008 entstanden. Er enthält eine Auswahl von ausdrucksstarken Kalenderblättern über die Arbeit des humanitären Hilfs-projekts.

CArgo Human CareKenianische Waisenkinder brauchen Hilfe. Motiv aus dem Februarkalenderblatt

Bedarf ist immens. Dank des hohen Engagements von Cargo Human Care konnten beteiligte Ärzte bis heute mehr als 2000 Patienten in Nairobi behandeln, denn der Bedarf an medizinischer Versorgung ist immens: Etwa 65 Prozent der fast 4 Mio. Einwohner der kenianischen Hauptstadt leben in Slums. Die meisten müssen ohne sauberes Wasser und ohne Kanalisation auskommen. Viele Kinder haben ihre Eltern durch Aids verloren. Allein 1,7 Mio. Waisenkinder leben in Kenia.
Lufthansa Cargo stellt für die Initiative die Flugscheine für die Ärzte bereit und gewährleistet den kostenlosen Transport von Hilfslieferungen. Die mitfliegenden Mediziner behandeln die Armen ehrenamtlich und unentgeltlich. In naher Zukunft soll der Neubau eines Wohngebäudes für 192 Kinder im Mothers' Mercy Home unterstützt werden. Mit dem Kauf des Cargo Human Care Kalenders 2008 können DVZ-Leser einen wichtigen Beitrag für die Menschen in Nairobi leisten, denn der gesamte Erlös kommt direkt dem Projekt in Nairobi zugute. Der Kalender ist unter www.chc-kalender.de erhältlich und kostet 20 EUR zuzüglich Porto und Versand.

Spenden statt Geschenke. DVZ-Leser kennen Cargo Human Care aus dem Hilfsengagement des Lufthansa-Kapitäns Fokko Doyen. Dafür wählten sie ihn bei den LEO-Awards zum "Mensch des Jahres". Im Rahmen der DVZ-Aktion "Spenden statt Geschenke" werden noch Spenden für die Anschaffung einer 5700 EUR teuren Waschmaschine für das Waisenhaus Mothers' Mercy Home benötigt. Anschaffung und Inbetriebnahme werden von Fokko Doyen persönlich betreut.DVZ 6.12.2007 (gm) www.chc-kalender.deSpenden statt Weihnachtsgeschenke: DVV Media Group, Deutsche Bank Hamburg, Konto 020142600, BLZ 200 700 00, Kennwort "Cargo Human Care"

Arikel als PDF

DVZ, Nr. 110 vom 13.09.2007

Von Kerstin Kloss

Kenia: Deutsche Ärzte helfen den Ärmsten

Um die Ärmsten der Armen in Nairobi kümmert sich die Initiative Cargo Human Care e. V. (CHC) der Lufthansa Cargo AG. Die Logistik für die medizinische Hilfe durch deutsche Fachärzte und Spenden läuft bei Captain Fokko Doyen zusammen, der dafür den LEO-Award "Mensch des Jahres" erhielt (DVZ 11.9.2007).

Cargo Human CareDVZ-Redakteurin Kerstin Kloss mit Fokko Doyen zu Besuch in Kenia

Nur im Schritttempo kommt das Taxi in Nairobis Innenstadt voran. Auf dem Rücksitz sitzt Fokko Doyen (51). Seine Knie stoßen an den Vordersitz, der Kopf an den Wagenhimmel. Dem 1,93-Mann scheint das ebenso wenig auszumachen wie der Staub und die Autoabgase im Stau. In der Nacht hat der Captain eine Frachtmaschine aus Frankfurt hergebracht und sich nach dem 7,5-stündigen Flug nur eine Stunde im Hotel ausgeruht.
Der berufliche Überflieger, der als Flottenchef MD11 und stellvertretender Flugbetriebsleiter Lufthansa Cargo die 400 Piloten der MD11-Frachtmaschinenflotte in Kelsterbach bei Frankfurt leitet, steigt in Kenias Hauptstadt regelmäßig nach ganz unten hinab. Er trägt lieber Jeans und T-Shirt als Uniform. In Afrika findet der Captain Bodenhaftung - bei den Ärmsten der Armen in den Slums von Nairobi. Für sie engagiert er sich seit drei Jahren mit medizinischer Unterstützung durch deutsche Fachärzte. Er ist Erster Vorsitzender des humanitären Hilfsprojekts Cargo Human Care e. V. (CHC).

Vergitterte Kioske. Das Taxi kommt an bescheidenen Wellblechhütten und vergitterten Kiosken vorbei. In der Einfahrt vom "SOS Medical & Social Centre" am Rande des Slums Buru Buru ist die Fahrt zu Ende. An der Decke des Wartezimmers flimmert ein Fernseher für die 100 Patientinnen, die hier in drei Tagen zusammenkamen und Schlange standen, um sich von dem Neustädter Gynäkologen Dr. Sven Sievers (70) untersuchen zu lassen. Er ist Zweiter Vorsitzender von CHC.
Wie groß der Einzugsbereich der Krankenstation ist, kann der Frauenarzt schwer schätzen. In Buru Buru leben fast 1 Mio. Menschen. "Aber inwieweit sie erreicht werden, das können wir nicht ermitteln", sagt Sievers. Doyen ergänzt: "Hier im Medical Centre sind 600 Familien registriert, das sind ein paar Tausend Leute." Und es werden immer mehr, die durch Aushänge in den Slums oder Bekanntmachungen in der Kirche den Weg zu den deutschen Ärzten finden. "Jeder, der kommt, wird von uns behandelt", betont der Gynäkologe.
Bei seinem kurzen Aufenthalt habe er diesmal drei Patientinnen mit Krebsverdacht gehabt. Operiert werden sie beispielsweise im "Kenyatta Hospital". Umgerechnet 1000 EUR kostet eine Gebärmutterentfernung - für eine Slum-Bewohnerin unbezahlbar. Neulich habe die Klinik wieder eine seiner Patientinnen mit Karzinom weggeschickt. "Wer hier kein Geld hat, stirbt", weiß Sievers. Deshalb übernimmt CHC die Transport-, Konsultations- und Operationskosten.
Der gemeinnützige Verein nutzt die Räume, das Labor sowie die zehn Mitarbeiter der Krankenstation des SOS-Kinderdorfs. "Als Ausgangsbasis zum Start des Projekts war das SOS Medical Centre ideal. Wir haben die Infrastruktur vorgefunden, es gab eine Patientendatei - alles, was wir brauchen. Jetzt haben wir genug Erfahrung, um was Neues, Eigenes aufzubauen", sagt Doyen.

Bettelarme Kinder. Möglichst noch in diesem Jahr will CHC für das "Mothers' Mercy Home" (MMH) eine Krankenstation errichten. Das Kinderheim gehört der Mount-Kenya-South-Kirche und liegt auf den Hügeln außerhalb von Nairobi, in Kianjogu bei Limuru. 84 bettelarme Kinder unter 14 Jahren, vor allem Aids-Waisen, haben hier ihr Zuhause. Vier Jungen und Mädchen sind HIV-positiv. Die zwölf Angestellten der kirchlichen Einrichtung sorgen dafür, dass sie nicht ausgegrenzt werden. Unbefangen fröhlich bolzen alle zusammen auf der festgetretenen roten Erde vor den Wellblechhütten.
Längst hat die Rasselbande Fokko Doyen erwartet, als das Taxi endlich durch das blaue Tor in den Hof vom MMH einfährt. Das Verkehrschaos in Nairobi hat den Captain mal wieder aufgehalten. Aufgeregt nehmen die Kleinen ihn an den Händen und führen ihn in ihre Schlafsäle mit je 16 Plätzen in Stockbetten. Die dünnen Schaumstoff-Matratzen sind ordentlich mit Maassai-Tüchern in Rot- und Blautönen abgedeckt. Der abgetretene Steinfußboden und die mit Ölfarbe gestrichenen Wände glänzen. Stolz zeigen die Kinder ihren Fernseher - sie haben ihn aus Styropor gebastelt.
Für ein echtes TV-Gerät fehlt nicht nur Geld, sondern auch Elektrizität. "Mindestens einmal pro Woche haben wir keinen Strom, mitunter zwei Tage lang nicht. Und wenn keine Elektrizität da ist, kommt auch kein Wasser aus dem Hahn", schildert Paula N. Karanja (56), die Koordinatorin des Mütterkomitees in der Diözese, die Alltagsprobleme im MMH.
Die herzliche, elegant gekleidete Heimleiterin zeigt das Bauland, das an die Wohnhäuser, Rinder- und Ziegenställe und den weitläufigen Gemüsegarten grenzt. Hier sollen Gebäude für weitere 108 Kinder sowie die Krankenstation entstehen. Paula deutet den grünen Hang hinunter: "Dieses Land von hier bis zum Fluss haben wir im vergangenen Jahr für umgerechnet 12 000 EUR gekauft. Jetzt sollen wir für dieses gleich große Stück fast 28 000 EUR bezahlen - mehr als doppelt so viel!"
Doyen hält das für genauso überteuert wie die Kostenvoranschläge der Baufirmen, die CHC eingeholt hat. "Die Preise, die uns für den Bau der Einrichtungen für 192 Kinder genannt worden sind, bewegen sich um 200 000 EUR. Das ist unserer Meinung nach deutlich zu hoch. Wir müssen andere Angebote einholen, um mit den Preisen runter zu kommen", sagt er.

Doppelte Geräte. Die neue Krankenstation mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin benötigt medizinische Geräte. Weil CHC die Patienten bei SOS weiter behandeln will, müssen Apparate und Instrumente zweifach vorhanden sein. Dr. Sven Sievers braucht eine zusätzliche gynäkologische Einrichtung mit Ultraschall, Mikroskop und "mit einem mechanischen Stuhl, damit wir vom Strom unabhängig sind", fügt er hinzu.
Das Ultraschallgerät in der SOS-Station hat er gebraucht für 6000 EUR bekommen, das Mikroskop für 2000 EUR. Finanziert hat alles CHC. Geplant ist auch, in dem MMH Medical Centre eine Arzthelferin oder Krankenschwester einzustellen. "Sie soll alles vor- und nachbereiten, damit die Ärzte keine Zeit verlieren", erklärt Doyen. Vielleicht können die deutschen Ärzte dort später sogar selbst operieren."Cargo Human Care ist ein Geschenk Gottes", lächelt Paula N. Karanja, als sie Fokko Doyen im Taxi nachwinkt. Und dann wandert ihr Blick tatsächlich nach oben.

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DVZ, Nr. 109 vom 11.09.2007

Erfolg durch Persönlichkeit - Die Gewinner der LEO-Awards, unter anderem:

Captain Fokko Doyen: Hilfe für die Ärmsten in Kenia:

Humanitäre Initiative Captain Fokko Doyen (51) hat in einem Traumberuf Karriere gemacht. Als Flottenchef MD11 und stellvertretender Flugbetriebsleiter Lufthansa Cargo, der die 400 Piloten der MD11-Frachtmaschinenflotte in Kelsterbach bei Frankfurt leitet, hat er einen prall gefüllten Terminplan. Trotzdem findet der dreifache Familienvater Zeit, sich für Cargo Human Care e.V. zu engagieren. Er hat die humanitäre Initia-tive der Lufthansa Cargo AG mitgegründet und ist dort Erster Vorsitzender. Ziel ist, der bedürftigen Bevölkerung in Nairobi (Kenia) mit medizinischen Hilfeleistungen durch deutsche Fachärzte, Sachspenden und finanziell zu helfen.
2004 begann das Engagement des gebürtigen Ostfriesen für das "Mothers' Mercy Home" unweit von Nairobi - mit einer Sporttasche voll Kinderkleidung. Damals flog er zusammen mit seinem Kollegen Rainer Agne häufig eine MD11 von Frankfurt nach Nairobi. Spielende Kinder am Straßenrand wiesen den beiden per Zufall den Weg zu dem Waisenhaus der Mount-Kenya-South-Kirche. Aus der spontanen Kleiderspende entwickelte sich eine enge Freundschaft zu Paula N. Karanja, Diocesan Mothers' Union Coordinator, und inzwischen 84 Waisenkindern.

Cargo Human Care"Mensch des Jahres": Fokko Doyen wurde mit dem LEO-Award 2007 ausgezeichnet.

Besonders nahe ging dem Captain das Schicksal von John Kaheni. Um zu überleben, benötigte der damals 10-Jährige eine Herzklappen-Operation. Mit Hilfe von Schulklassen und Freunden in seinem Wohnort Idstein im Taunus sammelte Fokko Doyen in der Vorweihnachtszeit 2004 in Windeseile 3000 EUR - und heute spielt John wieder Fußball. Für den Flugkapitän war die Aktion der eigentliche Startschuss, die Waisenkinder und das Personal vom Mothers' Mercy Home finanziell zu unterstützen und medizinisch zu versorgen. Das kommt unter anderem dem HIV-positiven Peter Ndungu (11) zugute, den der MD11-Flottenchef diese Woche zusammen mit DVZ-Redakteurin Kerstin Kloss besucht hat. "Peter braucht dringend die Hilfe von Cargo Human Care", sagt Fokko Doyen.
Ursprünglich an der Technischen Schule der Lufthansa in Hamburg als Flugingenieur ausgebildet, sorgt der Captain heute dafür, dass die MD11-Maschinen von Lufthansa Cargo regelmäßig medizinische Ausstattung und Medi-kamente mit nach Nairobi nehmen. Oft wird die Fracht von deutschen Fachärzten begleitet.
Einer davon ist der Gynäkologe Dr. Sven Sievers aus Neustadt, zugleich Zweiter Vorsitzender von Cargo Human Care. Mindestens alle zwei Monate behandelt er mehrere Tage lang Patientinnen in einer Medi-zinstation in den Slums von Buru Buru, die zu Nairobi gehören. Die logisti-schen Fäden für die verschiedenen humanitären Projekte laufen alle bei Fokko Doyen zusammen, der deshalb in der Kategorie "Mensch des Jahres" mit dem LEO-Award ausgezeichnet wird. Gewählt haben ihn die DVZ-Leser per Online-Voting.

DVZ, Nr. 085 vom 17.07.2007

Cargo Human Care"Es gibt immer viel zu organisieren", weiß Doyen von seinen Besuchen.

"Meine größte Hoffnung ist, dass wir möglichst vielen Menschen helfen und ihnen das Leben wieder lebenswert machen, indem wir ihre Schmerzen lindern", sagt Kapitän Fokko Doyen, Flottenchef bei der Lufthansa Cargo AG in Kelsterbach.
Einmal im Monat fliegt der 51-Jährige eine MD11-Frachtmaschine in die kenianische Hauptstadt Nairobi. Seit drei Jahren sind deutsche Fachärzte mit an Bord des Flugzeugs. Vor Ort unterstützt der gebürtige Ostfriese die Gynäkologen, Urologen, Hals-Nasen-Ohren-, Kinder- oder Zahnärzte, die zwei Tage lang freiwillig und unentgeltlich in Nairobis "SOS Medical Centre" arbeiten. Die Medizinstation gehört zum Sozialwerk "SOS-Kinderdorf".

Seit kurzem ist die Hilfsinitiative "Cargo Human Care", die Doyen 2004 zusammen mit seinen Kollegen beim Boden- und Bordpersonal gegründet hat, ein Verein. Er finanziert sich ausschließlich über Spenden, und Luft-hansa Cargo spendiert die Flugtickets für die Ärzte.
Bisher haben 14 Mediziner mitgemacht, weitere stehen auf der Warteliste. Bald gibt es für sie noch mehr Einsatzbedarf, weil in dem Kinderdorf "Mothers` Mercy Home (MMH)" in der Nähe von Nairobi ein unabhängiges "Cargo Human Care Medical Centre" eingerichtet werden soll. "Wir haben etwa 30 000 EUR zusammen. Der Bau der Medizinstation wird dieses Jahr beginnen. Ich gehe davon aus, dass wir dort Mitte nächsten Jahres auch mit dem Einsatz der deutschen Ärzte loslegen", erläutert Doyen.
Auch für das "Mothers` Mercy Home (MMH)" engagiert sich der dreifache Vater seit dem Jahr 2004. Regelmäßig schaut er hier vorbei. Zunächst brachte der Pilot den 84 Waisenkindern Kleider- und Spielzeugspenden in ihre Wellblechhütten. Jetzt will "Cargo Human Care" die Einrichtung bei einem Neubau finanziell unterstützen, damit künftig 150 Kinder ein Dach über dem Kopf haben.