"Cargo Human Care News" im März 2009
Liebe Freunde und Mitglieder von Cargo Human Care,
2008 war für Cargo Human Care ein sehr erfolgreiches Jahr und wir konnten mit Ihrer
Unterstützung wirklich sehr viel in die Wege leiten. Darauf können wir als CHC-Team
alle stolz sein und ich möchte mich heute noch einmal für die vielfältige Unterstützung
sehr herzlich bedanken.
An diese Erfolge wollen wir mit viel Energie auch in diesem Jahr anknüpfen. Das erste „Großereignis 2009“ war die Eröffnung unseres neuen CARGO HUMAN CARE Medical
Centres in Kiambu am 28.Februar. Dr. Sven Sievers und Dr. Michaela Fuchs hatten sich
bereits seit Monaten um die Beschaffung der medizinischen Einrichtung für unsere
kleine Ärztestation und um die Einstellung von Personal gekümmert. Mit enormer
Tatkraft wurde die ganze Einrichtung in der Woche vor der Eröffnungsfeier von einer
ganzen Truppe von deutschen und kenianischen Helfern eingebaut und rechtzeitig zur
ersten Sprechstunde am Samstagmorgen mit anschließender großer Eröffnungsfeier
war alles zum Einsatz bereit. Der reguläre Praxisbetrieb wird nun am 1.April
aufgenommen. In Zusammenarbeit mit dem nahe liegenden Nazareth-Hospital können
wir den Menschen aus der Umgebung des Mothers` Mercy Home (MMH) jetzt schon sehr bald
ein großartiges Medizinprogramm anbieten. Geplant ist, dass monatlich zwei Ärzteteams im CHC-Medical Centre arbeiten und zusätzlich einmal pro Monat ein Team
im SOS-Med Ctr in Buru Buru. Wir werden Sie über die weitere Entwicklung informieren.
Die Idee, nicht nur ein neues Heim für die Kinder des Mothers` Mercy Home (MMH) zu bauen,
sondern auch gleich dieses CHC Medical Centre zu errichten, wurde übrigens von Kay
Kratky und Sven Sievers geboren – einfach wunderbar, mitzuerleben, dass diese Vision
mit Ihrer Unterstützung jetzt Realität geworden ist.
In dieser Ausgabe unseres Newsletters finden Sie auch einen Bericht über den 50. (!)
Einsatz von Sven Sievers in Nairobi. Dir ganz herzlichen Dank, lieber Sven, für Deinen
unvergleichlichen Einsatz für unser Projekt!
Asante Sana Ihnen allen

Ihr Fokko Doyen
Eröffnung CHC-Medical Centre im MMH am 28.02.2009
Nach Abschluss der Vorarbeiten wurde am 28.02.2009 eine erste Kinder- und HNO-Sprechstunde in den neu erbauten Räumen des Medical Centres durchgeführt. Am Nachmittag fand die offizielle Eröffnungsfeier mit Vertretern der Anglikanischen Kirche und ca. 300 lokalen Gästen, vornehmlich „Mothers“ sowie Vertretern von Cargo Human Care und von der „Hear the World Foundation" statt.
Nachdem bereits Ende November 2008 der Schlaftrakt von den 84 Kindern bezogen wurde, sind jetzt die angegliederten medizinischen Räume ebenfalls bezugsfertig. In einer arbeitsreichen Woche mit vielen helfenden Händen wurden letzte Handwerker-Arbeiten fertig gestellt und die Einrichtung ausgepackt, ergänzt und aufgebaut. Medikamente wurden lokal eingekauft, ebenso ein Kühlschrank für die Apotheke, eine Spülmaschine zur Reinigung der medizinischen Geräte, Putzmittel und viele nützliche Kleinigkeiten vom Fußabtreter bis hin zu den Plastikbeuteln für die Medikamenten-Ausgabe. Das IT-Netzwerk wurde installiert, die Software aufgespielt und die Stammdaten der Medikamente wurden eingegeben. Um Platz für alle medizinischen Einheiten zu schaffen, wurde eine Arbeitsplatte verlegt, ein Vorhang und eine Garderobenstange wurden angebracht und es wurden – eigens noch eingeflogene – weitere deutschen Steckdosen montiert. Ein neues Hinweis-Schild an der Straße wurde beauftragt und geliefert.
Zudem wurden die Verträge mit dem Nazareth Hospital sowie die der Kirche mit den lokalen medizinischen Angestellten besprochen und für die Unterzeichnung am Eröffnungstag vorbereitet.
Und es wurde wieder und immer wieder geputzt, wobei sich zeigt, dass dem feinen roten Staub der typisch afrikanischen Erde permanent entgegen gearbeitet werden muss. Gut, dass die zwei Sterilisatoren für die Bereitstellung der medizinischen „Werkzeuge“ am späten Freitagnachmittag zum ersten Mal eingeschaltet werden konnten. Die beiden Behandlungsräume, die Apotheke, der Reinigungsraum und die Registratur waren bereit für den ersten Probebetrieb.
Am Samstag früh war es dann soweit: ab 09:00 Uhr waren alle Plätze im Wartebereich vor dem Medical Centre besetzt. Angekündigt waren eine Sprechstunde der HNO-Ärztin Dr. Michaela Fuchs und ein Hör-Screening, für welches die von der Schweizer Firma Phonak gegründete Stiftung Hear the World-Foundation Messgeräte bereitgestellt hat. Für Betroffene stellt die Stiftung kostenfrei Hörgeräte und regelmäßige Versorgung mit Batterien zur Verfügung.
Auch für Kinderarzt Matthias Gründler warteten bereits Patienten.
Mit Hilfe der lokalen medizinischen Angestellten wurden die Betriebsabläufe zügig aufgenommen. Registrierung der Patienten, Übersetzungen und Hilfestellung bei den Untersuchungen, Ausstellung der Rezepte und Ausgabe der Medikament – alles lief sehr schnell zufriedenstellend.
Vielen Patienten wurden eine Wiedervorstellung vor einem Spezialisten empfohlen, wobei die geplanten Termine, zu denen weitere Ärzte von CHC im Medical Centre sein werden, eifrig notiert wurden.
Zur Mittagszeit waren über 50 Patienten versorgt. Die Sprechstunde musste trotz noch langer Warteschlange beendet werden, um pünktlich zur offiziellen Einweihungsfeier übergehen zu können.
Wie schon zur Eröffnung des Kinderheimes waren auch dieses Mal viele Vertreter der Anglikanischen Kirche und örtliche Gäste anwesend. In humorvollen Reden wurden die Freude über die neue Medizinstation und die Dankbarkeit über die Hilfeleistung durch die deutschen Freunde hervorgehoben. Fokko Doyen verlieh den CHC-Orden 2009 an die drei Haupt-Personen, die sich maßgeblich und mit viel Engagement für die Einrichtung des Medical Centres eingesetzt haben: den 2. Vorsitzenden von CHC Dr. Sven Sievers, die HNO-Ärztin Dr. Michaela Fuchs und auf kenianischer Seite an Referent Kenneth.
Nach einem gemeinsamen Essen wurden die Verträge mit dem Nazareth-Hospital feierlich unterzeichnet. Patienten, die eine weitergehende Untersuchung oder Behandlung brauchen, werden in unserem Auftrag im ca. 15 km entfernten, von Franziskaner-Schwestern betriebenen Hospital behandelt.
Wir freuen uns über den jetzt erreichten Stand und auf die Aufnahme der regelmäßigen Arztbesuche ab April 2009 in den eigenen Räumen.
(Bilder zu dieser Veranstaltung haben wir in einer Extra-Bildergalerie zusammengestellt.)
Dieses Weihnachtsfest wird für immer in unseren Köpfen bleiben
Dieser Brief von Paula, der Heimleiterin des Mothers` Mercy Home (MMH), erreichte uns kurz nach Weihnachten. Wir möchten Ihnen diesen nicht vorenthalten:
Dieses Jahr war außergewöhnlich, außergewöhnlich in jeglicher Hinsicht. Es gab so viele Veränderungen und nun können wir die Früchte dieser Veränderungen ernten.
Wir Danken Gott, dass er uns Freunde wie euch geschenkt hat. Freunde, welche uns - und besonders den Kindern so viel ermöglichen. Jeden Tag aufs Neue sind wir begeistert von den neuen Räumen und können uns kaum an Ihnen satt sehen. Die Kinder fuhren vom zweiten bis 20. Dezember nach Hause, bzw. zu den letzten noch verbliebenen Verwandten. Am Dienstag den 23. feierten wir mit den Kindern das schönste Weihnachtsfest welches wir je hatten.
Die Kinder hatten sich schick gemacht und versammelten sich alle morgens um zehn Uhr. Wir haben ein köstliches Weihnachtessen gekocht, dazu gab es reichlich Getränke und andere leckere Kleinigkeiten. Lauthals singend fuhren wir gemeinsam mit unserem neuen Mothers Mercy Bus in das Dorf Mamba. Ein Guide führte uns herum und zeigte den Kindern die Krokodile, welche dort leben. Anschließend begaben wir uns noch auf eine Bootsfahrt ein weiteres Highlight für die Kinder folgte auf den Fuß, sie alle durften einmal auf Pferden reiten.
Danach machten sich die Kinder über das Mittagessen her und erzählten sich Witze. Ein weiterer Höhepunkt war das Anschneiden des Weihnachtskuchens. Die Kinder waren so glücklich und tanzten in der Großen Halle bis tief in die Nacht. Als es Zeit wurde zu gehen, wollte niemand die Feier verlassen auch nicht wir Mothers.Eines steht fest, die wundervollen Erinnerungen an dieses Weihnachtsfest werden uns für immer in den Köpfen bleiben.
Interview des Monats
Gynäkologe Dr. Sven Sievers, 2. Vorsitzende von Cargo
Human Care, brach im Februar zu seinem 50. Einsatz in
Kenia auf.
Lieber Dr. Sievers, 50 Einsätze für Cargo Human Care, das ist
unglaublich. Woher nehmen Sie die Motivation für Ihr
einzigartiges Engagement
Ach, Afrika (Bartholomäus Grill). Ich sehe in diesem Land
meine Zweifel und meine Verzweifelung über die Lage aber
auch meine unerschütterliche Zuneigung und meine Liebe zu
den Menschen in Kenia.
Morgens, wenn ich durch die Slums in Nairobi zu unserem medizinischen Einsatzort
fahre, raubt mir das Gesehene die Hoffnung, den Armen jemals helfen zu können, und
abends, wenn ich mit unserem Taxifahrer durch den dichten Verkehr und den Staub
zurück ins Hotel zurückkehre, dann habe ich Zuversicht darüber, dass wir doch durch
unsere Tätigkeit zusammen mit unseren afrikanischen Freunden ein wenig helfen
konnten. So gibt es Zeiten, die mich froh und heiter stimmen und die mir die Schönheit
des Landes zeigen. Und es gibt Zeiten, die mir die Arroganz und die Korruption der
Amtspersonen, die Brutalität der Hauptstadt und die Trägheit gegenüber den
Bedürftigen vor Augen führen.
Es ist nicht wichtig, wie häufig ich bisher im Medical Centre tätig war.
Ich werde immer wiederkommen; ich habe den Bazillus africanus.
50 Einsätze, Zeit um vieles zu Erleben und Erfahrungen zu sammeln. Gibt es Momente,
an die Sie sich besonders gerne erinnern?
Gerne erinnern? Ja, an die immer wiederkehrende herzliche Begrüßung, wenn ich im
Medical Centre in Buru Buru von unseren afrikanischen Freunden begrüßt werde oder
wenn ich von Paula und ihren Mitarbeitern des Mothers’ Mercy Home mit ausgeprägten
Armen empfangen werde. Es ist fast so, als wenn ich nach Hause komme. Karibu !
Das Cargo Human Care Medical Centre wurde vor kurzem eingeweiht. Dieses Projekt fordert Ihren ganzen
Einsatz. Welche Erwartungen haben Sie mit Blick auf die Zukunft des Medical Centre?
"Wenn Du in Nairobi krank bist und Du hast kein Geld, wird Dir nicht geholfen und Du
kannst sterben." Das Cargo Human Care Medical Centre soll helfen, dass diese Erfahrung für unsere
Patienten keine Gültigkeit hat.
Vielen Dank Herr Sievers.
